Samstag, August 19, 2017

Perspektivenwechsel

Ich habe gestern abend übrigens dann noch die Wahlunterlagen des Hübschen studiert (wussten Sie, dass es eine "3V-Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer" gibt?) und bin jetzt umso gespannter, wie der Wahlzettel aus dem kleinen bayerischen Dorf für mich dann aussehen wird.


Parallel erreichte mich die Mail einer Leserin, die mich nachdenklich machte. Sie (die Leserin, nicht die Mail :-)) arbeitet bei der Gemeindeverwaltung einer kleinen badenwürttembergischen Gemeinde und hat geschildert, wie es da so zu Wahlzeiten abläuft. Und weil ich das so spannend fand, habe ich gefragt, ob ich das veröffentlichen darf und voila, hier ist es:
 


Ich arbeite im Rathaus unserer Gemeindeverwaltung und das ist der Grund für diese Mail. Darf ich Ihnen bitte etwas von unserer Seite der Bundestagswahl erzählen?
Wir haben im Rathaus ein Wahlamt. Das gibt es nur bei Wahlen, kaum stehen Wahlen an, ist es da. Sind die Wahlen vorüber, gibs kein Wahlamt mehr. Das geht, denn die zwei Kolleginnen im Sekretariat und ein Mitarbeiter aus dem Hauptamt werden nebenher noch zum Wahlamt.
 
Später am Bundestagswahl-Sonntag kommen dann noch viele viele Wahlhelfer in unseren Wahllokalen dazu, die die eigentliche Wahl durchführen und am Wahlabend die Stimmzettel auszählen.

Das Wahlamt im Rathaus ist für alles zuständig, was zur Bundestagswahl gehört.
  • Briefwahlanträge aus dem Inland und aus dem Ausland. Veröffentlichungen der Hinweise zur Wahl (gesetzlich vorgeschrieben und das muss fristgerecht passieren).
  • Koordination der Wahlhelfersuche, Wahlhelferschulungen.
  • Bestückung und Packen der Kisten für die Wahlvorsteher, da ist dann von den Stimmzetteln über die amtlichen Wahlergebniserfassungsformulare bis hin zu den Heftern, Gummis, Bleistiften, Tesa, Wahllokalwegweisern, Flaggenmastschlüsseln und Wählerverzeichnissen alles drin, was im Wahllokal benötigt wird.
  • Dann müssen noch Aushänge für die Wahllokale und die Rathäuser und Rathausbriefkästen gemacht und verteilt werden.
  • Außerdem kommen sehr oft Updates für das offizielle Wahlerfassungesprogramm, mit dem die Ergebnisse am Wahlabend an das Landratsamt weitergegeben werden.
  • Die gemeindliche Internetseite muss immer die neuesten Infos und Links zur Wahl haben, darum kümmert sich das Wahlamt auch.
Um was noch? Um Butterbrezeln und Mineralwasser für die Wahlhelfer am Tag der Wahl. Jeder bekommt 1,5 Butterbrezeln pro Wahlschicht. Das muss ja auch jemand bestellen, das fliegt nicht von alleine in die Wahllokale. Und wehe, es sind zu wenig Brezeln da, oder zu viele Helfer mit zu wenigen Brezeln. Ja, da gibts dann Beschwerden beim Wahlamt. So was muss deshalb im Vorfeld akribisch vorbereitet werden. ;-)

Das ist noch nicht alles an zu erledigenden Arbeiten, aber ich muss hier ja mal ein Ende finden, nicht wahr?

Wissen Sie, wir vom Wahlamt sind dennoch etwas neidisch auf die Wahlämter der großen Städte. Die werden ebenfalls für die Wahlen "eröffnet", so wie bei uns kleinen Gemeinden. Warum dann der Neid? Weil diese Wahlämter nichts anderes machen als die Wahlen, aber bei uns muss die Wahl nebenher mitlaufen.
Wir haben alle unsere normalen Rathaus-Tätigkeiten und das Wahlgeschäft kommt dazu. Kleine Verwaltungen können das nicht anders stemmen.
Wir in unserem Rathaus haben zum Glück verständnisvolle Vorgesetzte, die ihre Ansprüche an uns herunterschrauben, wenn wir Wahlamt sind.
Da kann ausnahmsweise auch mal was liegen bleiben, was sonst nicht sein darf.

Wir erledigen so gut es geht, unser normales Arbeitspensum und die Wahl zusätzlich.
Es ist uns - wie bestimmt auch bei den kleinen bayrischen Gemeinden - personell einfach nicht möglich, denselben Service mit Zwischennachrichten zu bieten, wie das in den großen Wahlämtern passiert. Schön wäre das ja schon, aber wir können die Zeit dafür beim besten Willen nirgendwo abzwacken.


Aber ich kann Ihnen versprechen, auch wenn es nach außen hin nicht so wirkt:
Wir von den kleinen Wahlämtern sind leidenschaftlich, mit viel Engagement und Ehrgeiz daran, die Unterlagen für die Briefwähler rauszuschicken.
Gerade für die Auslandsanträge entwickeln wir besonderen Ehrgeiz. Die müssen einfach so früh wie möglich verschickt werden.
Diese Jahr liegen Anträge aus Großbritannien, Frankreich, aus den USA, aus der Schweiz, aus Indien, aus Namibia, aus Bangladesch und aus Italien und Österreich da.
Wir haben keinem davon eine Zwischennachricht geschickt. :-(


Aber was wir gemacht haben: Heute Nachmittag wurden die Stimmzettel für die Bundestagswahl für unseren Wahlkreis fertig gedruckt.
Ich bin vorhin 35 km zur Druckerei gefahren und habe einen Karton Stimmzettel abgeholt. Denn ausgeliefert werden sie eigentlich erst am Montag.
Meine Kollegin sitzt jetzt im Rathaus und macht alle Briefe fürs Ausland fertig und bringt sie zur Post, damit sie heute noch verschickt werden.
Unser Rathaus hat Freitagnachmittags immer geschlossen.
Aber wie gesagt, wir sind sehr gerne Wahlamt, trotz dem zusätzlichen wochenlangen Stress.
Mir war es wichtig, heute Nachmittag zur Druckerei zu fahren und den ersten Karton mit Stimmzetteln abzuholen. Meiner Kollegin war es ebenso wichtig, nochmal ins Büro zu kommen und die Briefe versandfertig zur Post zu bringen.


Ab Montag legen wir richtig los und arbeiten alle bisher eingegangenen Briefwahlanträge ab, so schnell es uns möglich ist. Und wir sind schnell, das ist sicher.
Wir haben seit Jahren eine Vereinbarung mit unserem Wahlleiter.

Bei 1200 verschickten Briefwahlumschlägen muss er uns ein (leckeres) Eis bezahlen. Das nächste Eis gibt es dann bei 2000 Umschlägen. Das ist so eine Art Mix aus Wette und Belohnung, wobei wir ja alles abarbeiten, was ankommt.

Und natürlich werden von uns auch die vielen Briefwähler freundlich empfangen, die die Unterlagen direkt bei uns abholen und gleich wählen möchten. Auch das geht nebenher. Weil es muss ... bei uns kleinen Wahlämtern.


Nun ja, ich wollte eigentlich nur sagen, dass Sie Vertrauen haben sollten, was Ihren Briefwahlantrag angeht. Das klappt auch in Bayern, da bin ich (fast) sicher ;-)
Wenn Sie den Umschlag korrekt beschriftet haben, ist er bestimmt angekommen.
Und wenn das der Fall ist, wird er im Wahlamt bearbeitet und an Sie verschickt, sobald die Stimmzettel geliefert wurden. Auf die Stimmzettel warten wir alle immer ... bei jeder Wahl. Erst dann kann der Versand losgehen, bis dahin scharren wir immer ungeduldig mit den Hufen.
Also, ich bin davon überzeugt, dass Sie bald die Unterlagen bekommen. :-)




Jetzt habe ich fast ein schlechtes Gewissen den bayerischen Gemeindeleuten gegenüber, vor allem, weil es in dem Kaff ja nicht mal eine Eisdiele gibt. Vielen Dank für diesen Einblick, ich hoffe, in Oberbayern läuft das auch so begeistert!

Freitag, August 18, 2017

Demokratie leichtgemacht

Dieses Jahr haben der Hübsche und ich ja beschlossen, dass es Zeit ist, unsere Larifari-Haltung zum Wählen (in Deutschland, in der Schweiz dürfen wir ja nicht) aufzugeben und bei der Bundestagswahl anzutreten unsere Stimme abzugeben.
Wir haben also Anfang April den Antrag auf Eintrag ins Wählerverzeichnis abgeschickt, der Hübsche ans Kreisverwaltungsreferat in München, ich an das kleine Dorf in Oberbayern, das mein letzter gemeldeter Wohnsitz in Deutschland war (aus Gründen, alles sehr kompliziert).
Nach ein paar Wochen bekam der Hübsche einen umweltgrauen Umschlag vom Kreisverwaltungsreferat mit "Herzlichen Dank für den Antrag, die Unterlagen kommen dann im August."


Ich bekam: nix.


Ich habe also bei der Gemeinde angerufen (ich kriege schon Flashbacks in Grundschulzeiten, wo wir beim Bürgermeistergeburtstag Mundartgedichte aufsagen mussten,beim Gemeindewappen auf der Homepage, das ich vermutlich in den richtigen Farben und mit der richtigen Anzahl Nupsis am Mühlrad nachts um drei im Halbschlaf noch malen könnte), wurde einmal auf den nächsten Tag vertröstet und am nächsten Tag dann bekam ich die Aussage: "Ah, ja, mhmmm, das ist suuuuperviel Papier, das da liegt, ich schau da nachher mal durch und wenn ich merke, dass irgendwas nicht passt, dann melde ich mich bei Ihnen."
Joah. Das ist ja für mich Kontrolletti ja eher so eine mittelhilfreiche Aussage, weil kein Anruf zwei Sachen heissen kann: Entweder war alles in Ordnung oder sie hat das Nachschauen und alles andere einfach vergessen. Kann ja mal passieren, bei suuuuuperviel Papier.
Aber ich habe "work on your trust issues" als development goal und so habe ich gesagt: "Super, danke" und nicht nochmal angerufen.


Heute hat der Hübsche wieder einen umweltgrauen Umschlag vom Kreisverwaltungsreferat im Briefkasten: "Inhalt: Wahlunterlagen"
Ich habe: nix.
Und "trust in other people's abilities" ist ja schön und gut, aber es geht ja um meine Stimme, die in dem kleinen Kaff gehen dann am Wahlsonntag nämlich einfach in die Wahlkabine in dem Klassenzimmer der 2. Klasse, wo sie selber vor 20 Jahren noch gesessen sind und machen da dann ihr Kreuzchen und ich schaue in die Röhre.
Also habe ich nochmal die Homepage mit dem Wappen aufgemacht, die Nummer rausgesucht, angerufen und .... tadaaa, es gibt schon nicht mal mehr einen Anrufbeantworter, der einem sagt, dass niemand da ist, geschweige denn, wann wieder jemand da ware. Dafür hat die Homepage ein Kontaktformular, das ich direkt ausgefüllt habe. Mit der Bitte um Rückruf und jetzt harre ich also der Dinge. (Und ich muss sagen: ich habe kein gutes Gefühl. Und wenn ich da recht habe, dann wirft mich das developmentmässig um Jahre zurück.)

Donnerstag, August 17, 2017

No shit, Sherlock

Gestern abend auf den Heimweg las ich im Bus noch eine Arbeitsemail, die mich sehr aufgeregt hat. Nicht so sehr wegen des Inhalts (deswegen schon auch), sondern vor allem wegen des  Kommunikationsweges, der anstatt des korrekten, offiziellen Wegs lieber indirekt, über Stellvertreterfunktionen, sehr hintenrum wirkend gewählt worden war. Meine erste Reaktion war: "Na super, das last mich jetzt ja mal wieder wie den uninformierten Depp dastehen, wenn die die Bombe aus meinem Gebiet beiläufig in einer Anfrage aus einer ganz anderen Abteilung platzen lassen."
Ich habe wirklich schlecht geschlafen, weil ich mir die ganze Zeit ausgemalt habe, wie ich das heute klärend ansprechen müsste und ich kenne mich ja, wenn ich total sauer bin, dann wird das selten sachlich und souverän und dann haben sie ja recht damit, dass sie mich aussen vor gelassen haben. (und wegen der Katze. Es wird besser, aber gut ist es noch nicht.).
Heute morgen dann habe ich aber den Rest meines Produktteams getroffen und alle waren aus allen Wolken gefallen und niemand lastete mir an, das alles nicht vorausgesehen zu haben. Und während ich mich auf den Weg zu dem klärenden Gespräch machte, wurde mir (MIR! die ja sonst zwischen den Zeilen halt Zeilenabstand sieht, aber sonst nix) klar: das ist ein mehr oder minder ausgeklügeltes Politikspiel. Es geht gar nicht darum, dass jemand mich nicht im Loop haben möchte (oder am Ende gar denkt, meine Rolle ware unnötig oder ich würde meinen Job schlecht machen), es geht um ganz andere Dinge. Ich glaube sogar zu wissen, um welche, das klang zwischen den Zeilen des klärenden Gesprächs (ich war sowas von sachlich und souverän!) mehr als deutlich durch (ich hab einen Lauf!).
Und weil ich halt ich bin und sehr unpolitisch*, habe ich das jetzt sehr offen an meine betroffenen Produktteams kommuniziert und jetzt lehne ich mich zurück und geniesse die Show. Und die wird kommen.


*interessant eigentlich: in (meinem) beruflichen Umfeld bedeutet "das ist eine politische Entscheidung" eigentlich immer: "das ist nicht mit gesundem Menschenverstand zu erklären und wir müssen das jetzt halt machen, aber eigentlich ist es Quatsch."

Mittwoch, August 16, 2017

12

study_of_development pt.12



Mein lieber Q.,
heute bist du 12 Jahre alt geworden. Das ist ... wow! Der letzte Nicht-Teenager-Geburtstag. Ich habe mir gerade durchgelesen, was ich letztes Jahr zu Deinem Geburtstag geschrieben habe und ... das gilt alles heute noch genauso wie vor einem Jahr. Ich habe es mir während unseres ganzen Urlaubs gedacht: die Zeit jetzt (und nicht erst seit jetzt, sondern auch schon letztes und vorletztes Jahr) ist wirklich einfach für uns Eltern: L. und Du, ihr seid gross, selbstständig, vernünftig, interessiert und offenherzig. Es gibt keine Dramen mehr wegen falsch aufgemachter Bananen, wegen "Ich kann nicht mehr laufen" und "ich geh nicht schlafen" (das vor allem, weil ihr ja statt schlafen einfach lesen könnt und das ist ja für mich genauso praktisch), es gibt auch auch (noch) keine Dramen wegen "Ihr seid so uncool", "ihr versteht mich nicht", "die anderen dürfen aber auch alle". Die werden kommen, da bin ich mir ziemlich sicher, aber hey: so waren wir früher ja auch. Und so lange hier friedlichster Konsens herrscht, geniesse ich das hemmungslos!
Ansonsten macht man dich mit zwei, drei Sache glücklich: Lego, Bücher und gute Serien auf Netflix. Bücher und Serien multiplizierst Du dann für andere, ich bin mir sicher, weder Du noch Deine Kollegen hätten die 40km der Hike Challenge der Pfadfinder so locker geschafft, wenn Du nicht als wandelndes Hörbuch agiert hättest. Deine Büchervorlieben sind recht klar: Action, Agenten, Science Fiction, Dystopien oder Antike/Sagen (egal, ob nordische Götter, Ägypten, Griechen, Römer, das geht alles!), am liebsten Reihen, da hat man länger was davon. Was überhaupt nicht deins ist, sind Bücher, in denen sich Menschen in Tiere oder Pflanzen verwandeln. Oder die im Wald spielen :-).


Ah, eine Neuerung gibt es noch: ich habe letztes Jahr geschrieben:

Ich bin mal gespannt, ob Du irgendwann ein experimenteller Esser (oder wenigstens Gemüseesser) wirst, aber auch damit habe ich mittlerweile meinen Frieden gemacht :-).


Und was soll ich sagen? Du bist zum experimentellen (wenn auch nicht Gemüse-) Esser geworden und isst indisch, asiatisch, mexikanisch und weil wir die Regel "es wird nicht gepult" haben, dann halt auch mit Gemüse. Phew. Doch kein Skorbut!


Ach Du, mein grosser, cooler, unglaublich lieber Junge. Ich freue mich, das wir eine so wundervolle, vertrauensvolle Beziehung haben und hoffe sehr, dass wir die auch über die zukünftigen hormongebeutelten Jahre retten können! Ich wünsche Dir, dass Du Dir Deine klare Meinung, die sich nicht (allzusehr) von peer pressure beeinflussen lässt, und Deine Wurschtigkeit, die mich zwar manchmal zum Wahnsinn treibt, und Deine Witzigkeit und Deine liebe Art beibehalten kannst.


Ich bin so froh, dass ich Deine Mami bin!
Bussi
K.


Zum Nachlesen: 11

Dienstag, August 15, 2017

Hallo Alltag!

  • Znüniboxen packen
  • Sportbeutel packen
  • Schwimmbeutel packen
  • Büchereibücher zusammensuchen
  • Kinder morgens wecken
  • Kinder abends vor 22:00h ins Bett scheuchen
  • Notfallbetreuungspläne ausfüllen
  • Rundtelefonlisten korrigieren
  • Notfallblätter aktualisieren
  • Semesterplan in den Familienkalender eintöckeln
  • Herbstferienpläne abgleichen
  • Geburtstagsgeschenke einpacken
  • Geburtstagstisch decken
  • Alles furs Geburtstagsfoto bereitstellen
  • Verschollenes aus dem Pfadilager ersetzen (es ist überschaubar)
  • Geburtstagsgeschenk ausliefern
  • Mittagessentermine, Abendessentermine, Workshoptermine, Businesstrips (Italien, USA, Indien vielleicht) jonglieren
  • Elternabendtermine, Kindergeburtstage, Pfadfindertermine, Unihockeytraining, Unihockeymeisterschaft, Geräteturnen, Turnwettkämpfe...
 
"Hit the ground running" triffts ganz gut!

Montag, August 14, 2017

"Das ist eine Liste!" "Falsch, das ist EINE LISTE!"

Heute nachmittag war ich auf einmal in einer sehr ungehaltenen Stimmung. Wenn das passiert, neige ich dazu, alle Worte (von anderen) auf die Goldwaage zu legen, sarkastisch bis schnippig (manche behaupten: arschig bis fies) zu antworten, und mich selber unsympathisch zu finden.
Gottseidank wurde mir das bewusst, bevor ich zuviel Porzellan zerschlagen hatte (also: hoffe ich), und ich machte das, was ich dann immer mache: ich versuche rauszufinden, was genau mir die Laune verhagelt hat. Das sind nämlich meist kleine, oder wenigstens genau abgrenzbare Dinge. Und auch, wenn die sich nicht immer aus dem Weg räumen lassen, hilft es mir doch, mir bewusst zu machen: "Ich habe schlechte Laune, weil Abteilung xy schon wieder den vereinbarten Prozes nicht einhält und das Projekt jetzt eine absolut vemeidbare Extrarunde dreht." und nicht "Alle sind doof, das Leben stinkt, Internet doof, und der da drüben hat auch schon wieer blöd geschaut, jetzt ruft auch noch der Hübsche an, denkt der, ich hätte nix zu tun oder was?"
Es hilft natürlich auch, auf einen konstant hohen Koffeinspiegel und ausreichenden Blutzuckerspiegel zu achten.
Und als ich dann so da sass und überlegte, kristallisierte sich sehr schnell heraus, was mich so nervte:
  • Heute morgen hatte ich eine neue Foundation mit neuem Primer ausprobiert und das hielt nicht wirklich gut. Oder nicht gleichmässig. Doof. Dazu ein Herpesbläschen an der Lippe und ein paar Pickelchen am Kinn.
  • Ja, doof, ne, aber auch kein Drama :-)
 
  • Aus obengenannten Gründen war es dann zeitlich eng mit Frühstück und ich konnte nur schnell noch einen Kaffee in den Thermosbecher und eine Portion Granola mit Naturjoghurt in ein Mitnahmegefäss schütten. Als ich wieder dran dachte, war der Kaffee nur noch lauwarm, ich schüttete mir wie jedesmal, wenn ich versuche, aus diesem Becher zu trinken, die Hälfte übers Kinn. Immerhin nicht über die Kleider, es half halt nicht wirklich bei meinem heutigen Foundationproblem. Das Granola, das frisch einfag göttlich schmeckt, war in den anderthalb Stunden mit dem Joghurt zu einem Matsch geworden, der ein gruslige braune Flüssigkeit abgesondert hatte.
  • Ja, doof, aber sogar ich muss lachen, wenn ich das ein paar Stunden später aufschreibe.
 
  • Oben erwähnte Extrarunde des Projekts.
  • Ja, das nervt. Wirklich. Ich werde aber nichts dran ändern können, das haben schon viele andere von mir versucht, ich auch, und dann ist das halt so.
 
  • Schlecht recherchierte Artikel zu Elektromobilität (mein Beruf hat mich versaut für "einfach nur lesen und konsumieren". Ich brauche Belege und Quellen und sobald ich den ersten Fehler entdeckt habe, ist es vorbei mit meiner Geduld.)
  • Ja. Das ist alles sehr ärgerlich, aber wir werden uns nicht in SpON- oder sonstigen Kommentarspalten austoben, ja? Lächeln, winken, weiterfahren :-).
 
  • Diskussionen auf Twitter, die mich unendlich ermüden. Es sind immer die gleichen Leute, immer die gleichen Themen, immer die gleichen Meinungen, die in immer den gleichen Zirkeln wie automatisiert abgespult warden. Ich habe es geschafft, mir durch grosszügiges Entfolgen, Muten von Personen, Schlagworten, Hastags, Muten von Retweets und natürlich wegen vermeintlichem Hatespeech Geblocktwerden meine grössten Garanten für Zähneknirschen und Augenrollen nachhaltig aus der Timeline zu entfernen, aber es geht weiter. Ich merke, wie ich einerseits keine Lust habe, Teil von diesem ewigen sinnfreien, zu nichts führenden Kreislauf der Empörung zu sein. Mich kostet es aber sogar Energie, nichts zu sagen und nur mit den Augen zu rollen. Aber alles Muten bis auf Katzenvideos?
  • Schwierig. Ich habe keine Lösung. Ausser noch mehr muten.
 
  • Dass ich im 5. Trainingsmodul für den neuen Technical Change Management Process nur 90% statt 100% beim Test hatte
  • okay, dass mich das nervte, lag nur am Unterzucker
 
Als ich dann soweit war, zog ich für mich den Schluss:
  • die Foundation wird nicht mehr mit dem Primer kombiniert.
  • Der Kaffeebecher muss weg.
  • Granola wird nicht mehr mit Joghurt vorgemischt.
  • Ich lese keine Artikel in Massenmedien zu Themen, bei denen ich mich auch nur ansatzweise auskenne (vielleicht sollte ich auch zu anderen nichts mehr da lesen, da würde ich die Fehler ja gar nicht bemerken und das alles glauben!)
  • Ich habe alle 12 Trainingsmodule in einem Vormittag durchgeprügelt und noch dazu das jährliche Adverse Events-Training und das ist eine Riesenmenge! SchPfeiff auf die 90%!
 
Und schon bleibt nicht mehr viel und über den Rest kontempliere ich jetzt beim meditativen Schulbüchereinbinden.  

Sonntag, August 13, 2017

Back to alltag

Es ist soweit: seit gerstern sind wir wieder komplett. Little L. wurde von meiner Schwester angeliefert, Little Q. kam abends leicht heiser, gar nicht soooo dreckig und zerstochen wie befürchtet, aus dem SoLa zurück. Die Lagerwäsche ist mit einem Extraschuss Hygienespüler gewaschen, verloren gegangen ist nur der Feuerstein des Messers, dafür hat ein Paar fremde flauschige hellblaue Socken den Weg in Q.s Rucksack gefunden.
Die Schultaschen sind gepackt (okay, das haben wir ehrlicherweise am letzten Schultag gemacht incl. auf den Kopf stellen, Totalräumung, auswischen, Stifte alle testen und spitzen, Malkittel waschen, Haus- und Turnschuhe waschen und Znüniboxen und Trinkflaschen aussortieren), die neuen Stundenpläne hängen am Kühlschrank.
Es wird für beide Jungs ein spannendes Jahr (das erste Jahr Englisch für Little L., erste Stunde grad morgen. Bei dem irischen Lehrer, der meine irischen Kollegen kennt, weil sie aus dem gleichen Dorf kommen, das erste Jahr Französisch für Little Q.), das noch spannender enden wird: für Little L. mit dem Wechsel in die Mittelstufe, wo die Klassen neu eingeteilt werden (man darf hoffen, dass die Schulleitung aus dem Debakel von vor drei Jahren gelernt hat, wenigstens in Sachen Kommunikation, am besten wäre natürlich, wenn sie die Schuler miteinbeziehen würden) und er zu einer neuen Klassenlehrperson wechseln wird. Wir und er sind schon sehr gespannt, ob er wieder direkt. Q. nachfolgen wird oder bei jemand anderem landen wird.
Für Q. wird sich Mitte des Jahres zeigen, auf welche weiterführende Schule er ab nächstem Jahr gehen wird. Alles sehr, sehr spannend!


Die Ferien (hier im Aargau sind es ja nur 5 Wochen) sind nur so verflogen. Wir hatten keine Minute Langeweile, wir haben unglaublich viel erlebt, gesehen, gemacht, Familienzeit genossen. Das war wirklich, wirklich toll.


Heute abend werden wir dann also die neuen Znüniboxen aus Dänemark packen, wieder Schulklamotten für den nächsten Tag rauslegen, gemeinsam vor den Stundenplänen stehen und versuchen, rauszufinden, was die Kürzel und Farbcodes bedeuten, bis das alles ca im März in Fleisch und Blut übergegangen ist. Doch, wir freuen uns auch drauf.